Ensemble Neu(sy) Misch(ief) ist ein experimentelles Kunstkollektiv, das den Klang ins Zentrum stellt, jedoch dessen Grenzen und Grammatik radikal erweitert. Ihre Bühne verlässt den sicheren Raum traditioneller Konzertsäle. In ihrem Sonic Theatre, wo Klang, Gestik, Text, Bild und Raum ineinandergreifen, wird das Publikum nicht als passive Zuhörerschaft, sondern als Mitgestaltende der Narration und des Raumes eingebunden. Die Aufführung wird weniger als abgeschlossene Form, sondern als ein Prozess verstanden, in dem durch Mehrschichtigkeit und Ungewissheit neue sinnliche und philosophische Fragestellungen entstehen.
Die Aktivitäten von Ensemble Neu(sy) Misch(ief) bewegen sich auf drei Ebenen: künstlerische Forschung, performancebasierte Bildung und gesellschaftlicher Diskurs. Besonders wichtig ist ihnen das Experimentieren an den Schnittstellen von Kunst und Technologie sowie Musik und gesellschaftlicher Realität. Vielfalt und postkoloniale Perspektiven werden kritisch untersucht. Komplexität wird dabei nicht als Hindernis betrachtet, das es zu vermeiden gilt, sondern als produktives Mittel, um fremde Sinneserfahrungen zu eröffnen und Denkprozesse anzustoßen.
Die künstlerische Haltung des Ensembles begreift Klang nicht bloß als akustisches Phänomen, sondern als Schnittstelle von Erinnerung, Identität und technologischer Vermittlung. Musik ist für sie ein aktiver Akt, der im gesellschaftlichen und politischen Kontext relevante Fragen aufwirft und neue Wahrnehmungen schafft. Die Bühne von Ensemble Neu(sy) Misch(ief) wird somit zur kollektiven Praxis dieser kritischen Auseinandersetzung.
Daher ist Ensemble Neu(sy) Misch(ief) zugleich ein Netzwerk, ein Labor und eine Bühne. In dem Moment, in dem zeitgenössische Musik, Noise Art, Tanz, Medienkunst, Literatur und bildende Kunst ineinandergreifen und Genregrenzen sich auflösen, artikuliert das Kollektiv eine eigene Sprache. Diese stellt kein einzelnes Genre in den Vordergrund, sondern öffnet den Raum für interdisziplinäre und multidisziplinäre Kunstformen. Es entstehen neue Diskurse und Empfindungen – an jener Schwelle, wo Kunst und Gesellschaft einander begegnen.
